US-Geheimdienst warnt: Chinas weltraumgestützte Energiewaffen könnten bald Satelliten bedrohen

Der Weltraum wird zunehmend zum Kriegsschauplatz. Die Defense Intelligence Agency (DIA) warnt in einem neuen Bericht, dass China bis zum Ende des Jahrzehnts über weltraumgestützte gerichtete Energiewaffen (Directed Energy Weapons, DEW) verfügen könnte, um Satelliten im Orbit auszuschalten. Dies wäre eine gefährliche Erweiterung der chinesischen Anti-Satelliten-Fähigkeiten (ASAT).

Laut dem am 26. Oktober veröffentlichten Bericht der DIA mit dem Titel „Challenges to Security in Space“ (Herausforderungen für die Sicherheit im Weltraum) könnte die Volksbefreiungsarmee (PLA) bis Ende der 2020er-Jahre in der Lage sein, Satelliten in höheren Umlaufbahnen mit weltraumgestützten Energiewaffen zu bedrohen . Der Bericht basiert überwiegend auf öffentlich zugänglichen Informationen und hat einen Stichtag im Juli 2026. Er wurde veröffentlicht, um die wachsenden Bedrohungen für globale Interessen im Weltraum durch China, Russland sowie die aufstrebenden Mächte Iran und Nordkorea detailliert darzulegen .

Die DIA führt aus, dass die PLA gerichtete Energiewaffen wahrscheinlich als ideale Systeme zur Bekämpfung von Satelliten betrachtet, da sie sowohl reversible (umkehrbare) als auch irreversible (permanente) Schäden verursachen können. Der Bericht macht keine konkreten Angaben darüber, ob China an Lasern, Hochleistungsmikrowellen, Teilchenstrahlen oder einer Kombination dieser Technologien arbeitet. Eine Anfrage der „War Zone“ (TWZ) an die Behörde für weitere Informationen blieb bislang unbeantwortet.

 


 

Reversible und irreversible Angriffe

Zu den reversiblen Angriffen zählen Versuche, Satellitensignale zu stören oder deren Optik vorübergehend zu blenden – beispielsweise durch Laserblender. Die DIA berichtet, dass die Medien der Volksbefreiungsarmee bereits 2021 erklärten, Laserwaffen würden ein „goldenes Zeitalter“ erreichen. Als eine der vielen operativen Einsatzmöglichkeiten wurde damals explizit das „Blenden“ (also die vorübergehende Blendung eines Sensors) genannt.

Irreversible Angriffe verursachen dauerhaften Schaden. Das Spektrum reicht von zerstörerischen Angriffen mit gerichteter Energie – etwa einem Laser, der ein Loch in einen Satelliten brennt, oder Hochleistungsmikrowellen, die empfindliche Systeme zerstören – über das Besprühen von Solarpanelen mit Aerosolpigmenten bis hin zu direkten Aufstiegsinterzepten und sogar Nuklearexplosionen im Weltraum. Auch die physische Manipulation eines Satelliten durch einen anderen Satelliten ist eine Option.

Chinas rasanter Ausbau im Orbit und das geheime Raumflugzeug

Chinas Präsenz im Orbit hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Der Bericht weist darauf hin, dass die Flotte von Aufklärungs-, Überwachungs- und Erkundungssatelliten (ISR) Pekings bis Juli 2026 mehr als 510 Systeme umfassen wird – eine Verdreifachung seit 2018 . Viele dieser ISR-Satelliten sind zwar offiziell kommerziellen und zivilen Missionen zugeordnet, doch die Dual-Use-Natur ihrer Fähigkeiten und die chinesische Politik der zivil-militärischen Fusion (Military-Civil Fusion) bedeuten, dass die gesammelten Daten oder Bilder von der PLA genutzt werden können.

Bildbeschreibung (Original im DIA-Bericht, auf Seite 53): Das bislang klarste Foto von Chinas geheimem Raumflugzeug „Shenlong“ im Orbit, aufgenommen vom kommerziellen Satelliten Maxar Technologies im Jahr 2024. Es zeigt ein Mini-Space-Shuttle-Design mit kleinen Flügeln, zwei Seitenleitwerken, einer geöffneten Nutzlastbucht und ausgefahrenen Solarpanelen. Das Design ähnelt stark dem US-X-37B, weist jedoch längere Flügel auf.

China baut seine Fähigkeiten auch auf neue Konzepte wie die Entwicklung von Raumflugzeugen (Spaceplanes) aus. Diese könnten neben Satelliten ebenfalls mit DEW ausgestattet werden und wären in ihrer Operationsweise weniger vorhersehbar als herkömmliche Satelliten – selbst wenn sie nur für experimentelle Zwecke oder mit begrenzten Fähigkeiten eingesetzt werden. Der DIA-Bericht bestätigt zudem, dass die chinesische Wissenschaft seit mindestens 2006 an weltraumgestützten kinetischen Waffen forscht – Systemen, die vom Orbit aus Boden-, See- oder Luftziele angreifen können.

Die Doktrin und die Gefahr für die USA

Ein Großteil der ASAT-Doktrin der PLA charakterisiert diese Systeme als nützliche Abschreckungsmittel gegen externe Einmischung in regionale Konflikte oder als Methode zur Kontrolle der Konflikteskalation. Sollte China jedoch einen Erstschlag in Erwägung ziehen, wären Satelliten, auf die die USA und ihre Verbündeten für weltraumgestützte Sensorik und Kommunikation angewiesen sind, eines der ersten und Hauptziele. Selbst reversible Angriffe auf diese Infrastruktur könnten die Fähigkeit der US-Streitkräfte, Kampfoperationen effektiv durchzuführen, erheblich beeinträchtigen.

Der DIA-Bericht stellt fest, dass die öffentlich bekannten weltraumgestützten ASAT-Fähigkeiten Chinas sich bisher auf Satelliten konzentrieren, die sich anderen nähern und diese greifen können. In einem beobachteten Fall aus dem Jahr 2022 ergriff ein chinesischer Satellit einen anderen und zog ihn aus seinem normalen geosynchronen Orbit in eine sogenannte „Super-Graveyard-Drift-Orbit“. Dieses Manöver warf Fragen über die potenziellen Anwendungen solcher Satelliten auf, die für Inspektionen oder Manipulationen nahe an andere Satelliten manövrieren können.

Zwischenfälle im Orbit: Yaogan-50 und die russische Annäherung

Die Risiken im Orbit werden auch durch ungeklärte Vorfälle deutlich. So zerbrach der chinesische Aufklärungssatellit Yaogan-50 (02) im September 2026 – nur wenige Monate nach seinem Start im März – in über 40 Trümmerteile. Die Trümmer verteilen sich in einer Höhe von 600 bis 1.100 Kilometern und werden aufgrund der geringen atmosphärischen Reibung dort Jahrhunderte bis Jahrtausende verbleiben . Die Ursache für den Zerfall ist bislang unklar; Spekulationen reichen von Triebwerks- oder Batterieversagen bis hin zu einer Kollision mit Mikrometeoriten.

Ein weiterer besorgniserregender Vorfall ereignete sich im Oktober 2026, als der russische Satellit Kosmos 2612 sich dem US-registrierten kommerziellen Radar-Satelliten ICEYE-X36 bis auf wenige hundert Meter näherte – ein Manöver, das als möglicherweise erste unautorisierte Annäherung eines Satelliten an einen anderen gilt . Der Satellit ICEYE-X36 liefert Bilddaten an die Ukraine. Obwohl keine Kollision oder Beschädigung festgestellt wurde, werten Analysten die Annäherung als Teil eines Musters russischer „Counterspace“-Aktivitäten.

 


Die US-Antwort: Waffen im Orbit und „Space Control“

Das Ausmaß der aktuellen US-Pläne für weltraumgestützte gerichtete Energiewaffen ist öffentlich nicht bekannt. Doch die USA haben ihre Karten in diesem Bereich zunehmend aufgedeckt. So gab US-Luftwaffenminister Troy Meink auf der Air, Space & Cyber Conference im September 2026 eine spektakuläre Erklärung ab: Es befänden sich derzeit Waffen im Orbit, die die Interessen Amerikas im Weltraum schützen. Meink machte keine Angaben zur Art der Waffen, aber ein Sprecher der Space Force erklärte gegenüber TWZ, diese Waffen unterstützten die Mission der „Space Control“. Diese umfasse die Fähigkeit, den Weltraum mit kinetischen und nicht-kinetischen Mitteln zu bestreiten und zu kontrollieren – einschließlich der Störung, Beeinträchtigung und, falls nötig, Zerstörung feindlicher Fähigkeiten .

China reagierte auf diese Offenbarung mit scharfer Kritik und warf Washington vor, ein Wettrüsten im Weltraum voranzutreiben. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums forderte die USA auf, „den Ausbau ihrer militärischen Fähigkeiten und die Vorbereitung auf einen Krieg im Weltraum zu stoppen“ .

Der DIA-Bericht mag zwar keine spektakulär neuen Enthüllungen über Chinas weltraumgestützte DEW-Programme enthalten, doch er dient als eindringliche Erinnerung daran, dass diese Fähigkeit in den nächsten Jahren eine wachsende Bedrohung darstellen könnte.

Quellen und weiterführende Links:

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